Dietmar Wolf, der grüne Wolf für Düsseldorf

Radreise Baltikum

EuroVelo 10 Ostseeküsten-Route mit 40km Schotterpiste ideal zum Gravelbiken Schotterpiste!

Nach den Er-Fahrungen des gestrigen und heutigen Tages sei angemerkt:
Die Routen des EuroVelo 10/13 verlaufen von Sventoji bis nach Pāvilosta auf zumeist auf unasphaltierten Straßen. In Dünennähe bremste der sehr oft schwer zu überwindende Sand und heute erwarteten mich von Karosta bis Pāvilosta über 40 Kilometer unangenehmer Schotterpiste.
Das kann man nicht nur mögen, das muss man WOLLEN!

Der Schotter ist grobkörnig, auf kleinen Abschnitten gerade erneuert, was es nicht einfacher macht, Walzen sind unbekannt. Über längere Abschnitte quälen permanente kleine eng aneinander liegende quer verlaufenden Bodenwellen, dieses Durchrütteln ist auf Dauer zermürbend. Verzeihung für die Offenheit, aber mir ging es so. Hinzu kommt, dass auf den Pisten vom PKW- und LKW-Verkehr 80km/h gefahren werden darf und maximal vielleicht 10% der Autofahrer:innen ihr Tempo angesichts von Radfahrer:innen drosseln.
Staubbrille nicht vergessen!
Tipp: Wenn Sie nicht so große Fans des Gravelbikens sind wie meine Freunde von der Schicken Mütze, dann empfehle ich Ihnen dringend, eine asphaltierte Umfahrung zu wählen.


20.06.2026 von Liepāja nach Pāvilosta

Radreise Baltikum Liepaja Konzerthalle

Dem direkt am Stadtrand liegenden bedrückenden Wohnblock entronnen rollte ich durch ganz Liepāja auf Karosta zu. Dies führte zunächst entlang vierspuriger Straßen, aber auf Radwegen. Im Stadtzentrum wurde es schon etwas enger, besonders wenn Baustellen aufkamen. Und wie bereits geschildert, das Aufkommen an Baustellen in Litauen und Lettland ist groß, man will schließlich vorankommen.

STOP! An so einer schmalen Stelle gab es einen SPAR express, na den enterte ich ganz schnell, das Rad blieb solange vor dem Schaufenster stehen, und kaufte mir ein paar nützliche wie auch leckere Dinge.

Ein Schild wies zur Promenade, also express dort hin. Ein Gebäude fiel mir sofort auf, die Die Konzerthalle "Großer Bernstein", folgen Sie dem Link zu einem beeindruckenden Foto von oben.
Zitat - wohl per KI übersetzt - von eben dieser Seite:
"Die Grundlage des vom ausgezeichneten österreichischen Architekten Volker Giencke entworfenen architektonischen Konzepts der Konzerthalle bildet das in Lettland und an der Ostseeküste anwesende Symbol – der Bernstein. Die Akustik und die Beleuchtung bedankt der Konzertsaal den weltweit führenden Experten auf ihrem Gebiet – Professor Karl-Heinz Müller aus Deutschland und Professor Christian Bartenbach aus Österreich.
Mittlerweile ist die Konzerthalle “Großer Bernstein” zum bedeutenden Kultur- und Veranstaltungsort geworden, in dem auch das Liepāja Sinfonieorchester und die Musik-, Kunst- und Designschule von Liepāja hausen."

Zitatende.
Daher mein Hinweis auf automatische Übersetzung, denn hausen schreibt man nicht so schnell in dem Zusammenhang.

Ich besuchte die Hafenpromenade bis zum militärischem Sperrgebiet, was in sowjetischer Zeit größer gewesen sein muss. Liepāja war in der Zeit sogar eine gesperrte Stadt, in die auch Bauern nur mit eine Sondergenehmigung hineinkamen, schreibt der Bikeline-Führer.
Dessen Auto Michael Cramer nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um die letzten 100/120 Jahre des Baltikums mit Kaiser&Zaren, dem nationalsozialistischen Terror des III. Deutschen Reichs und ebenso um die Sowjetunion geht. Das finde ich gut und richtig zu lesen.

Liepaja sanierte und neue dem angepasste Architektur

Heute ist wohl mein kritischer Tag.

Auf der anderen Seite fielen mit ältere wohl sanierte und unmittelbar daran neu errichtete Gebäude auf. Den alten vorhandene Gebäudestil aufnehmen und im Neubau daran anlehnend umsetzend, das habe ich schon oft in Litauen und Lettland gesehen. Hier spielte mal das Licht für ein Foto mit.

Liepaje Karosta Sankt Nikolaus Kathedrale

Weiter durch die Stadt in der übrigens keine Radwegbeschilderung für die EV10/13 besteht. Vielleicht weil heute alle nach GPS fahren und keine Orientierung mehr benötigen?

Karosta ist erreicht und es wird monumental.
Die Die orthodoxe Marinekathedrale von St. Nikolaus zieht mich magisch an, Nikolaus von Myra sowieso, einmal wegen der Kinder dann ist er noch Schutzheiliger für die Seefahrer. Und seine Kirche in Myra besuchte ich auch einmal vor langer Zeit.
Zar Nikolaus II. weihte die Kathedrale 1903 persönlich ein, im I. Weltkrieg verbrachte man viele Gegenstände nach Russland, Verbliebenes plünderten deutsche Besatzungssoldaten. Nach dem II. Weltkrieg wurde sie zu einer Sporthalle und Kino für sowjetische Soldaten. Zu Beginn der 90iger Jahre begann die noch nicht komplette Sanierung der Kathedrale.

In Karosta wartete noch eine selbst gestelle Aufgabe auf mich. An der Route Eiserner Vorhang EuroVelo 13 liegt die Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust. Vom 15. bis 17.12.1941 sind hier in den Dünen vor Karosta 2.750 Menschen jüdischen Glaubens erschossen und in bereits vorbereiteten Massengräbern verscharrt worden.

Liepaja Karosta Holocaust Erinnerungsstätte und Mahnmal

Unglaublich finde ich, dass es in Deutschland aktuell eine Partei gibt die sich altenativ nennt, aber in Teilen nachweislich bewiesen alternativlos nationalsozialistisch geprägt ist. Unglaublich finde ich es, dass diese Partei einen Zulauf an Wähler:innen hat, die im Geschichtsunterricht nicht aufpassten oder nichts verstanden haben. Wie kann man so etwas in braune Vergangenheit Rückwärtsgewandtes nur unterstützen und wählen? Diese Menschen bringen sich selbst aktiv um ihr höchstes Gut.
Ihre eigene Freiheit!

In unmittelbarer Nachbarschaft steht ein Mahnmal für die vielen Millionen im II. Weltkrieg gefallener sowjetischen Soldaten.

Bedrückend. Auch jetzt beim Schreiben.

Radreise Baltikum EuroVelo 10 Hochgeschwindigkeit auf der Kiefernstraße

Ab auf´s Rad, ich hatte in Pavilosta ja noch ein Apartment gebucht. Und geflucht, denn jetzt begann die oben geschilderte Schotterpiste. Zunächst plante ich 10 Kilometer bis nach Saraiki zu rollen und dann ggf. rechts in Richtung der Hauptverkehrsstraße abzubiegen. Die ist ja nun auch kein Vergnügen ohne Radweg.
In Saraiki traf ich auf einen "Veikals" also auf einen kleinen Verkaufsladen, in dem ich mir vorwiegend Eis kaufte. Hmmm.
So gestärkt beschloss ich, den EuroVelo auf der Schotterpiste weiter zu rollen, mein Rücken tut mir beim Lesen jetzt sofort wieder weh.

Es gibt aber Positives zu vermelden, auf einer sehr langen Geraden war es auf den PKW-Fahrstreifen recht glatt. Auf der Kiefern umsäumten Straße, die ich deshalb scherzhaft Kiefernstraße nannte, kam ich auf 20km/h, sensationell! Radreise Baltikum Bushaltestelle mit Übernachtungsinformationen in der Bushaltestelle des schönen Orts Ziemupe
Schön fand ich auch den kleinen Ort Ziemupe, dort hatte man den weitläufigen Ortskern sehr hübsch gestaltet, es gibt sogar eine Touri-Info und in der Bushaltestelle (drei Busse täglich) findet man eine ganze Liste an Übernachtungsmöglichkeiten. Sollte ich noch einmal in diese Region finden, würde ich Ziemupe in Betracht ziehen.

Schwarz im Gegenlicht zeigte sich der Leuchtturm von Akmeņrags, unbedingt morgens/vormittags vorbeikommen, dann ist das Licht besser. Besichtigungen sind wohl von 10:00 bis 16:00 Uhr möglich.

Radreise Baltikum am Leuchtturm von Akmeņrags

Und dann waren es noch16 unglaubliche Kilometer nach Parilosta. Davon fielen 6 km ins Schotterbett und die restlichen 10 auf Asphalt.
Genau an der Einmündung traf ich auf zwei junge Rennradleute. Sie kamen aus Vilnius, der Hauptstadt Litauens und hatten sich eine schöne Dreitagetour mit je 150 km täglich vorgenommen. Es bestand ein Konflikt.
Der eine wollte über die Schotterpiste, der andere lieber auf Asphalt bleiben. Angesichts ihrer tollen Rennräder – keine Gravel – keine breiteren Reifen – riet ich vom Schotter ab. Sie diskutierten noch als ich weiter rollte.

Zum Glück schaute ich vor Pāvilosta an einer Bushaltestelle noch einmal nach der genauen Adresse und Lage des Butterfly-House. Und siehe da, denn es lag noch drei Kilometer vor dem Zentrum und ich stand punktgenau an der Straßenkreuzung.
Das Butterfly ist ein tolles Projekt, leider hatten Bar&Restaurant gerade zu, es soll aber in Juli/August 2026 alles fertig und offen sein.

Mensch, was war ich froh, endlich am Ziel zu sein.



21.06.2026 Kilometer Tag 68,81 km / Gesamt bis hier hin 242,42 km


Und hier geht es weiter
zur Beschreibung "21.06.2026 Pāvilosta Splitter
und
zum nächsten Abschnitt am 22.06.2026