Radreise Baltikum
22.06.2026 von Pāvilosta nach Ventspils
Haben Ihnen die Pāvilosta Splitter gefallen?
Zur heutigen Strecke: Von Pāvilosta nach Ventspils sind es circa 70 Kilometer - ohne eine Schotterpiste! - dafür aber einen Streckenabschnitt von 10 km auf der sehr stark befahrenen Hauptverkehrsstraße P108, so der Bikeline-Führer.
Die Leute hier in LT und LV fahren wie die Henker, diese subjektive Empfindung hatte ich ja gestern bereits angedeutet. Der 1,5 Meter-Abstand ist hier unbekannt und wird auch nicht praktiziert. LT und LV sind erstmal keine Fahrradländer.
Schotterpiste vermeiden? Vom Butterfly fährt man am besten zurück auf die P111 und von dort durch bis fast nach Ventspils, man muss nur noch einmal auf die P108 links abbiegen. >
Ich wollte noch einmal zurück in den Ort, fand dann aber nicht den Anschluss zum Radweg. Der Bikeline beschreibt ja von Norden nach Süden, ich fuhr die Gegenrichtung.
Drei Einfahrten vom TOP! Markt bin ich dann eingebogen, noch einmal rechts und da sollte laut google maps der Weg lang gehen. Auf jeden Fall klappte es, ich bin auf einem leicht sandigen (aufpassen!) Waldweg durch einen schönen kühlen Kiefernwald. Die Richtung stimmte, irgendwann musste eine Straße kommen, ging ja auch nicht anders bei der Kartenlage. Frage, wie war das mit dem Schotter nochmal?
Bei der Bushaltestelle "Bendrofi" erreichte ich die P111: wo ein Rad- oder anderer fahrbarer Weg in Gegenrichtung nach Pavilosta abgehen sollte, den sah ich bei aller Aufmerksamkeit nicht.
Nun war Kilometer abspulen angesagt. 70 an der Zahl.
Viel zu sehen gab es nicht, außer Gegend, viel Gegend.
Als ich mich langsam warm strampelte, das dauerte je nach Befinden fünf bis schon mal zehn Kilometer, heute zehn, dann konnte ich eben diese Gegend genießen, automobile Raser:innen blende ich jetzt mal aus.
Wald und Wiesen, ab und zu mit Rindern plus Kälbchen bevölkert prägten die Landschaft. Dazwischen erblickte ich Einfamilienhäuser und wie ich annahm Ferienhäuser, teils fertig saniert, teils noch mittendrin. Ich denke, die Attraktivität der Meeresnähe sorgt auch für die entsprechende Nachfrage. Ein etwas größeres Haus, eigentlich ein Bungalow, bot freien Blick auf die Ostsee. Da wurde ich echt etwas neidisch. Doch ich habe ja mein Kalkhoff, hat auch nicht jeder.
Das brachte mich in den ersehnten Ort namens Jūrkalne. Ersehnt deshalb, weil er noch einen Veikals hatte. Und so ein Veikals hat Eis. Zum gleichen Platz führte das Schild Zivis welches auf den Fischgeschäft hinwies. Hier kann man sich also rundverpflegen und dies sollten Radreisende auch tun.
Danach ist für die nächsten 50 Kilometer nämlich Schluss mit lustigem Einkaufen, Restaurant oder Bar oder so. Der Bikeline weist extra darauf hin. Also bunkern bitte!
Leider "irrte" der Bikeline, nach in etwa 25 km gab es doch einen Veikals. Von fern sah ich schon verheißungsvolle Fahnen wehen, eine Tankstelle(?) dachte ich. So in etwa, im Verkauf konnte man bequem tanken und verdursten würde man bestimmt nicht. Es befand sich dort nämlich die Uzavas alus Brauerei Ventspils. Prost!
Vorher bog ich zu der Gedenkstätte PIEMIŅAS ZĪME LATVIEŠU BĒGĻIEM UZ ZVIEDRIJU für Flüchtlinge aus Lettland, die 1944/45 vor der Roten Armee fliehend versuchten, die 170 km entfernte Insel Gotland des neutralen Schwedens zu erreichen.
Zitat:
In der Zeit von Herbst 1944 bis Frühjahr 1945, aus Angst vor der wiederholten Besetzung der UdSSR, aber nicht die Verwüstung evakuieren zu wollen, die von der sowjetischen Armee gefährdet wurde, versuchte ein Teil der lettischen Bürger, das neutrale Schweden als den einzig möglichen Weg zu erreichen. Die Reisen waren sehr gefährlich, weil die Flüchtlinge von deutschen Patrouillen sowohl an der Küste als auch auf See, Minen, sowjetischer Luftfahrt und Kriegsschiffe sowie Stürmen bedroht waren, da die Umsiedlung häufig in ungeeigneten und überlasteten Booten und Booten auf offener See und bei ausreichender Treibstoff- und Nahrungsmittelversorgung, Seekarten und Navigationsinstrumenten stattfand
Quelle: Piemiņas zīme latviešu bēgļiem uz Zviedriju 1944. - 1945. gadam
Das Kilometer Rollen ging weiter, auf der P111 gab es übrigens einen entschieden guten Vorteil, hier verkehren Busse. Und die brauchen Bushaltestellen. Und wenn man immer wieder Pausen machen muss, um zu regenerieren wie ich, dann freut man sich auf eine schattige Bushaltestelle. An einer gsolchen rief ich Kumpel Ralf an. Der heiratete heute. Denkste der Schmock ging ans Telefon? Ok, nun bekommt er eine Postkarte mit dem Foto des Bushaltenstellenschilds, quasi als Beleg.
Ventspils nahte und jetzt bitte keinen Schreck bekommen!
Direkt am Ortseingang glänzte ein Radweg und ab Ortsgrenze begann wieder eine Ausschilderung mit dem EuroVelo 13. Immerhin.
Mein kleines Hotel Juras Brize in Ventspils, siehe Foto oben, war übrigens empfehlenswert super, EZ für 45€, Frühstück 7,50€ und ein preiswertes nettes Restaurant/Café u.a. mit einigen Fischspezialitäten wie dem hier abgelichteten Teller Matjessalat hatte es auch.
Dazu später mehr, ich sitze da gerade tippend und die wollen jetzt Feierabend machen.
22.06.2026 Kilometer Tag 75,94 km / Gesamtstrecke bis hier hin 327,12 km
...und hier geht es
zum 23.06.2026 von Ventsplis zum Kempings Mežvēji, Jaunciems /