Dietmar Wolf, der grüne Wolf für Düsseldorf

Radreise Baltikum

Radreise Baltukim fuf nach Latvija, Lettland

19.06.2026 von Šventoji über die Grenze nach Liepāja

Da kam was auf mich zu. Bis nach Liepāja schätzte ich 75 Kilometer, davon ca. 35 auf nicht asphaltierter Strecke, wie der Bikeline-Führer Auskunft gab. Zum Glück am Anfang, denn die wahrscheinliche Schotterpiste begann bereits nach 1,5 km hinter Šventoji, heißt nach weiteren 5 Km ginge es auf Schotterpiste über die Grenze nach Lettland. So auch mein Plan. Spannend.

Also wurde in Šventoji noch reichlich eingekauft, damit man unterwegs nicht verhungert und verdurstet. Gut so!

Auf geht´s
Zunächst folgte ich nach dem Verlassen der schönen Vila der in Šventoji vorgegebenen Route. Die Ausschilderung des EuroVelo 10 ließ zu wünschen übrig, so dass ich leider nicht auf einer Schotterpiste am Meer entlang über eine wohl Grüne Grenze nach Lettland einreiste, nein, die Ausschilderung führte mich auf eine Hauptverkehrsstraße von der ich dann erst hinter der Grenze links in Richtung Nida abbiegen konnte und so wieder auf die ursprüngliche Ostseeküsten-Route kam.

Zum Trost schenkte ich mir selber vorher direkt an der Grenze noch auf Litauens Seite einen sehr leckeren Kaffee und einen Blick in die Karte - in einem armenischen Café mehr sehr netten Leuten übrigens.
Von lettischer Seite wurde mein Foto vom Schild LATVIA und mein Abbiegen ins Café behördlicherseits recht argwöhnisch beobachtet. Man ließ mich später ungeschoren passieren...

Das Weiterkommen dort gestaltete sich trotzdem echt spannend, durch die Dünenlandschaft waren auch die Schotterpisten versandet. Darauf weist auch der Bikeline-Führer hin, doch nicht auf die angetroffene Intensität.
Anstrengend!

Radreise Baltikum entlang der Ostseeküste Lettlands Blüte im Dünensand Radreise Baltikum unberührte Ostseestrände Lettlands erleben

Es half nichts, ab und zu musste ich absteigen und durch den tiefen Dünensand schieben. Problem nur, das Ab und Zu nahm zu. Wunderschön war hingegen, so nah an der Ostsee zu fahren, das Rauschen der immer noch kräftigen Wellen zu hören und die grünen Landschaft drumherum zu genießen. Ab und Zu konnte ich kurz über die Dünen wandern und auf die See schauen. Das musste und lohnte, fuhr ich doch auf der Ostseeküsten-Route, oder etwa nicht? Die Frage stellte sich allerdings später. Obwohl es nicht mehr so kalt war, die Sonne schien, einfach alles zum Strand einlud, es war hier niemand zu sehen. Unberührter Ostseestrand also.
In kurzen Waldabschnitten kam noch Vogelgezwitscher zum Naturerlebnis hinzu und als die Sonne mittags richtig wärmte, taumelten auch eine ganze Reihe verschiedener bunter Schmetterlinge aus ihren Verstecken. Das war einfach wunderbar. Und das war auch der EuroVelo 10? Nein, der 13 wie sich später herausstellen sollte, siehe unten.

Tipp: Allerdings möchte ich Radreisenden mit Hängern oder Dreirädern hiermit dringend von der Route abraten, diese Sande sind einfach zu tief. Leider kann man die Sandlöcher selten umfahren, erst recht nicht mit zwei parallelen laufenden Rädern.

Nach einigen Kilometern mit durch mein langsames Fortkommen hohem Zeitaufwand kam ich durch den Ort Pape hindurch.
Die Strecke am Meer entlang lohnt sich. Sie sollten eine kurze Etappe wählen, um nicht in irgendeinen Zeitdruck zu kommen sondern zu genießen.

Klassischer lettischer Bau mit Materialmix

Foto: Irgendwo unterwegs fiel mir die schöne Fassade auf. hoffentlich gelingt es, das Dach wieder in historische Form zu bringen. Ich kann mich für derartige alte Gebäude richtig erwärmen.

Dann habe ich irgendwo hinter Pape die Route verloren, ich bin auf dem Radweg 567 gelandet, das war die einzige Radwegausschilderung die ich sah und - liebe Leute - der hatte es in sich. Aber total schön mit viel viel Natur und kaum einer Menschenseele. Das hatte doch schon etwas von Abenteuer, von wegen Radmassentourismus wie auf der ersten Seite geschrieben. Den gab es hier nicht. Ich habe zunächst keine Radreisenden gesehen.
Davon später mehr, ich muss auch noch herausbekommen, welchen Fehler ich gemacht habe, denn der Radweg 567 war die Ostseeküsten-Route definitiv NICHT.

Lettland Natur-Radweg 567 Aussichtsturm Vogelbeobachtung

Dieser 567 führte mich rauf und runter durch das hügelige Land, merke, es sind zumeist ehemalige jetzt bewachsene Sanddünen. Über Stock und Stein durch viele Sande und Waldwege schlängelte sich der 567 und wollte kein Ende nehmen. Unterwegs gab es wenig zu sehen, außer Natur und keine Elche. Aber ein Aussichtsturm (Foto) lud zur Vogelbeobachtung ein.

Ich kam an meine Grenzen, vor allem tat der Rücken weh. Also musste ich häufig pausieren, immer am besten nach so einen Sandloch. Langsam Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde vergingen, ich hatte das Gefühl, auf der Stelle zu treten.

Radreise Baltikum, auf dem 567 durch das hügelige Waldland

Mitten in einem Wegedreieck von Waldwegen saß ein junger Lette umgeben von verstreuten Campingutensilien und hantierte an defekten Vorderrad seines Fahrrads.
Ob er Hilfe benötige.
Im Prinzip nein, aber doch, ob ich wüsste wo es hier Wasser gäbe.
Leider nein.
Schade, er wolle sich einen Kaffee kochen, wies auf den Kocher nebst klassischer Espressokanne, habe aber kein Wasser.
Klar, ich gab ihm Wasser.
Dann erzählte er, dass er sich in der Stadt nicht wohl fühle, in der Garage 15 Fahrräder hätte und am liebsten frei im Wald wäre. Dann würde er auch auf seine Freundin aus Malmö warten.
Hier?
Wenn ich ihn richtig verstand, ja.
Wir unterhielten uns über die Wegeverbindungen, zum nächsten Ort Jurmalciems wäre es nicht weit.
Er machte sich an seinen Kaffee, und ich dass ich weiterkam.

Radreise Baltikum auf Radweg 567 - eine Bank sofort Pause!

Foto: Eine Bank auf dem 567, sofort Pause!
Wie ich jetzt beim Schreiben dieser Seite feststellte, habe ich keine Fotos von den echten Herausforderungen des 567 gemacht, die haben mir wohl auch so gereicht. Als Entschädigung gibt es ganz unten etwas im Großformat.

Begegnung im Wald 2
Wieder haderte ich mit der Richtung, habe ich schon erzählt, dass ich da manchmal falsch lag? Aber ich rollte auf der richtigen Route bergab, denn bergauf kam mir die Freundin aus Malmö, aktuell aus Jurmalciems entgegen, wo es einen Shop gab und sie vier Liter Wasser kaufte.
Ob der Freund mit dem Reifen fertig wäre?
Hm, eeh, also, er lege die Prio wohl auf einen Kaffee...
Der Blick war klasse, Ehedramen auch unter Waldradreisenden.

Wirklich sehr spät am Nachmittag erreichte ich den Ort Jurmalciems. Ehrlich? Völlig erschöpft. Leider hatte der Shop schon seit 17:00 Uhr geschlossen.
Von dort aus sollten es die letzten 20 Kilometer auf Asphalt geben, gab es aber nicht, die Piste war die nächsten 7 Kilometer jedoch fein geschottert und ermöglichte ein flotteres Fortkommen als der 567 im hügeligen Waldland. Dann endlich Asphalt. Herrlich.

Radreise Baltikum auf dem ich lernte den Asphalt zu lieben

Also Asphalt hat schon was. Wenn jemals ein Film mit dem Titel "Wie ich lernte, den Asphalt zu lieben" in die Kinos kommen würde, ich säße in der ersten Reihe.
Den direkten Kontrast zum Waldland gab es bereits vor dem Ort Bernati, da wechselte der EuroVeulo 10/13 auf dem ich mich auch wieder befand auf die Schnellstraße. Unangenehm, da Autofahrer:innen allhier keine Rücksicht nehmen.

Widerlich anspruchsvoll diese Radleute. Nix ist richtig.

Sehr sehr spät erreichte ich dann mein Apartment am Stadtrand von Liepaja, was mir heute erst einmal Kurbelei durch die Stadt ersparte. Das Apartment befand sich in einer grottenhässlichen sowjetischen Plattenbaukultur. Der Zustand außen erbärmlich, die Gänge mit einer einzigen Funzel beleuchtet braungrau dunkel zum Teil angeschimmelt, innen drin hatte die Bude alles und war sauber, auch mein Fahrrad fand hier Platz.


Radreise Baltikum Lettland Radweg 567 nur für robuste Radfahrer Recherche zum 567
Wie und wo ich den EuroVelo 10/13 verpasste, vermag ich nicht mehr festzustellen. Ich habe ihn ja zum Glück wiedergefunden.
Zum Radweg 567 habe ich das Folgende der Internetseite
balticcycling.com
entnommen und online auf Deutsch übersetzen lassen:
Die Route verbindet die Naturparks Bernāti und Pape und kann auch auf litauischer Seite fortgesetzt werden. Die Route für robuste Radfahrer, wo separate Abschnitte, die sich entlang der Waldwege von Naturparks bewegen, nicht nur sandig sind, sondern auch mit einem ausgeprägten hügeligen Gelände, während sie entlang der Küste fahren, sollte auf die Windrichtung sowie die sich verändernde Küste geachtet werden, die manchmal nicht mit dem Fahrrad fahren, sondern manchmal wie Asphalt glatt sein kann!
Zitatende, Wort für Wort wiedergegeben.

Zu Hause oft gesucht, bin ich heute mit Suchworten in Lettische Sprache auf dieses .pdf gestoßen:
Latvia Travel; mit starken Vergößerungen bekommt man schon eine Idee. Der EuroVelo 13 läuft näher an der Küste als der EuroVelo 10, der Radweg 567 ist auf dieser Karte mit einem sehr direkt an der Küste liegenden Kartierung zu finden. Nach meiner subjektiven Erfahrung über die ganzen Hügel kann das nicht so sein oder wurde geändert.
Tipp nochmals, Asphalt suchen, hier wäre es wohl die Schnellstraße A12, die mit Fahrrädern befahren werden darf.
Eine Aussage bleibt bitte noch: Der 567 ist richtig anspruchsvoll und ehrlich, ich bin etwas stolz, ihn geschafft zu haben.


19.06.2026 Kilometer Tag 72,20 km / Gesamt bis hier hin 173,61 km


Und hier geht es weiter zum nächsten Tag
20.06.2026 von Liepāja nach Pāvilosta


Radweg 567 in Lettland hier ganz smooth