Radreise Baltikum
05.07.2026 von Haapsi nach Kuivastu

Kuivastu liegt auf der Insel Muhu. Zu der muss man von Virtsu aus übersetzen. Das dauert nicht lange.
Der Plan: Da wieder das gleiche Schietwetter wie gestern prognostiziert wurde, waren keine Experimente geplant. Auf die 101 und dann auf die Fähre, Juchuu.
Es kommt ja immer anders als man denkt.
Vor allem kam es von oben und zwar mehr als reichlich. Ich wartete extra noch etwas ab, Jan brachte mir noch einen Kaffee, das Regenradar sagte ab 11:00 Uhr Regenfreiheit vorraus. Kaffee genossen, mit Jan geqautscht, Slfie gemacht, dann ab dafür.
Noch auf dem schotterigen Haapsi tee setzte ein richtger Pladderregen ein. Ich suchte Schutz unter Bäumen, konnte aber bald weiter rollen. Kurz vor der 101 gab es den nächsten Schauer.
Regenradar. Moderne Zeiten. Alles erstunken und erlogen.
Nun denn, rauf auf die 101 und los in Richtung Virtsu. Denkste. Wieder ein kurzer Schauer, Gewittergrollen im Südwesten. Dann tata sich aber ein Fenster auf, dunkle Wolken links, dunkle Wolken rechts, geradeaus heiter bis wolkig. Prima. Der Gegenwind geann an Bestand, zu meinem Entsetzen rollte ich einer schwarzen Wolkenwand entgegen. Schlau stellte ich mich in eine sonnige Ecke und wartete ab, bis die hässlichen Dinger weiterzogen. Ich war noch nicht einmal in Paatsalu, da holten mich deren Geschwister ein.
Wieder intensivster Pladderregen, wie er eben ab und zu an der See vorkommt.
Ich rollte weiter, der EuroVelo bog links in Richtung Höbesalu ab und wie der Bikeline richtig schreibt: Schotter.
Auch dieser Schotter erfuhr Sanierungen, leider vor kurzer Zeit, denn die grobe Körnung lag noch. Dazu der Regen, also mein Mißvergnügen stieg. Ich hoffte auf einen Abzweig nach Norgen in Richtung Nehatu, doch weit verfehlt.
Also verblieben sechs Kilometer unterschiedlichster Piste bis Pivarootsi.
Die Windmühle von Pivarootsi suchte ich gar nicht erst.
Empfehlung: Von Paatsalu weiter die 101 nach Norden, im Ort Vatla links auf Aspahlt in Richtung Virstu. Zumindest bei Schiewetter- Und heute war Schietwetter hoch Zwei.
Weil das natürlich irgendwann auch aufhörte. Die Straße nach Virtsu war kaum befahren, ich kam auf dem Asphalt ganz gut voran und wartete auf einen spannenden Abschnitt auf der heutigen Fahrt.
Auf dem Weg zur Halbinsel Virtsu sollte ein 2,5 Meter schmaler Damm befahren werden. Der ist ein Überbleibsel der 1968 eingestellten Schmalspurbahn Rapla - Virtsu. Eine Dampflok, die unter anderem auf dieser Strecke ihren Dienst versah ist heute in Tallin als Denkmallok abgestellt. Dem Damm konnte man teilweise noch seine ehemalige Nutzung ansehen. Auch wenn der Damm an verschiedenen Stellen als wanderbar geschildert wird, reines Bahntrassenradeln ist es nicht, nämlich dann, wenn ein PKW entgegen kommt. Zum Glück war das bei mir nur zweimal der Fall.
Schietwetter hoch Zwei? Wo genau sollte mich der nächste Pladderregen mal wieder so richtig erwischen? Ja, genau richtig, mittem auf dem Damm wo man sich nur nach links oder rechts ins Wasser retten kann. Ein Foto der ehem. Bahn entfiel somit, Regen und Wind waren einfach zu stark.
Den ccop in Virstu (Tipp hier einkaufen we Vorräte benötigt) blieb ich rechts liegen, es sag nix nach Heißgetränen aus. Missgelaunt und sich innerlich sehr nach heißem Kaffee sehnend erreichte der feuchte Pedaleur Virtsu sadam, also den Hafen von Virtsu.
Die Ampeln zeigten alle Rot, Zeit also für einen Kaffee? Erst einmal wichtige Dinge erledigt, dann den Ticketschalter gesucht. Die gab es nicht mehr, dafür zeigte mir ein netter Fährmensch in Rot wo der Automat steht. Senior mit Rad 1,50€, das klappte.
"Wenn du noch mit willst, dann flott, du hast noch drei Minuten!"
Man sind die da auf Zack, ich rollte zur Fähre, es wurde bereit fleißig gewunken und kaum berührte ich mit dem Vorderrad die große Klappe, wurde sie auch schon hoch gefahren. Bildlich gesprochen.
Zu meinem tiefen Bedauern erfolgten um die 30 Minuten aussichtsloser Überfahrt. Leider gab es keinen sicheren Platz für mein Rad&Gepsäck, so dass ich auf dem untern Deck blieb und wartete, dass wir ankamen. An Steuerbord konnte ich wenigstens etwas Ostsee durch eine Art Bullauge sehen. Die Gewitterwinde sorgten für etwas Wellengang, die Fähre hob und sekte sich leicht, wenigstens das.
Willkommen auf Muhu. Kaffee! Zu dem sollte ich schneller kommen als gedacht. Es kündigte sich wieder ein intensiver Hoch Zwei an, ich trat kräftig in die Pedale, kreuzte verbotenerweise alle Fahrspuren im Kuivastu sadam und landete unter einem Vordach welches zum Foodshop und Café des Hafens gehörte.
Das schöne tradidionelle Holzschiff auf dem Regenfoto scheint die uisk-artige Segelschiff Moonland zu sein.
Die Lady vom Foodshop schaute genauso fasziniert auf die Fluten die sich vom Himmel stürzten. Das Café lag in der ersten Etage, der Kaffee heiß und köstlich. Dazu bestellte ich zwei Scheiben dunkles Brot mit Fisch, einer kleinen wohlschmeckenden Heringsart, wie ich erfuhr.
Der Starkregen ergab noch eine zweite Tasse Kaffee, in einer Regenpause fasste ich Mut und sützte mich auf die letzten zwei Kilometer zu meiner Unterkunft. Bei der hatte ich noch in der Nacht ein upgrate von einer Holzhütte ohne auf ein Zimmer MIT DU/WC gebucht und am Morgen noch per Mail gebeten, die Heizung zu aktivieren. Beides sehr weise.
Die beiden Frauen der Anlage Kuivastujaani lachten nicht schlecht, als sie durchnässten Radreisefan tropfend vor ihrer Veranda sahen, Flott erhielt ich mein Mobilheim und eine direkt aktivierte Heizung.
Ich saß beim Schreiben quasi in einem Trockner auf dessen Dach ein heftiger Regenguss nach dem anderen pladderte. Ich hatte noch nicht einmal Lust, ein Foto von draußen von dem Mobilheim zu machen. Zum ersten Mal nächtigte ich in so einem Ding und musste an James Garner denken.
Gute Nachricht, morgen gibt es sogar Frühstück!
05.07.2026 Kilometer Tag 37,54 km / Gesamt bis hier hin 889,88 km