Radreise Baltikum
06.07.2026 von Muhu rüber auf Saaremaa
Sollte es mit dem Regen nun endlich deutlich geringer werden - mein Bedarf nach Niederschlägen ist auf der Radreise auf jeden Fall gedeckt - also dann bieten sich ja vielleicht ein paar Entdeckungen an.
Auch wenn da mal wieder eine Schotterpiste dabei wäre? Nun jaaa....
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Guten Morgen erstmal.
Mit der letzten Fähre endeten auch die Fahrgeräsuche von der nahen 10, ab 05:00 Uhr ging es dann wieder los, nicht laut aber wahrnehmbar. Oderwar das der Hahn der mich weckte?
Was ich wohlwollend zur Kenntnis nahm: Sonnenstrahlen!
Überall hängen aber noch viele Wolken am Himmel, schaunmer mal, was wir heute so veranstalten.
Zunächst gibt es erst einmal einen schnellen Instant-Kaffee.
Ach ja, die Sachen sind alle trocken, Juchuuu!
Hunger!
Das Frühstück der Anlage in Kuivastu war klasse!
Ich schlief hervorragend und kam nicht so aus den Federn, jener erster Instant-Kaffee brachte mich dazu, die Augen zu öffnen. Und die sahen zwischen vielen grauen und weißen Wolken Sonnenlicht, richtiges Sonnenlicht.
Mit Sonnenlicht und einer weiteren Online-Wetterprognose fiel die Entscheidung. Zur Auswahl standen drei Routen
1. Die Bikeline-Route des EuroVelo 13 im Süden von Muhu
2. Bei Schietwetter in den sauren Apfel beissen und die Nationalstraße 10 quer über Muhu
3. Den Nordteil der Insel Muhu mit der Steilküste wagen.
Route 1 entfiel, zuviele Schotterpisten, Route 2 entfiel weil Sonne, also Route 3!
Auf einer sehr netten Internetseite der mit 1.700 Menschen bevölkerten Insel:
Muhu ist die Insel auf der die Zeit Pause macht
konnte ich am Abend vorher ausmachen, dass die straßen 152 und folgende asphaltiert waren. Ziel sollte
Üügü pank die Steilküste im Nordosten mit dem Üügü Cliff sein. Japp, so der neue Plan.
Das einzige Problem hieß Wind. Viel Wind und der zeigte sehr viel Entgegenkommen in Böen bis 40 km/h, sonst 20/25 km/h. Das wurde dann auch anstrengend.
Vom Mobilheim zurück auf die 10 doch die Fähre hatte gerade alle ihre automobilen Gäste entlassen. Himmel war das ein Verkehr, ich wartete bis der große Schwung vorbei war, viel Platz war da nämlich nicht. Bald konnte ich rechts ab auf die 152 nach Hellamaa abbiegen.
Überraschung: Die 152 und damit meine ganze Nordschleife ist hier auch als EuroVelo 10 ausgeschildert.
Die Straße gestaltete sich von ihrer Oberfläche wie auch dem geringen Verkehrsaufkommen als sehr angenehm befahrbar. Nur der Wind vierkant von Vorn ließ mich ab und zu ein "Boah!" ausrufen. Schon blöd, wenn einen eine Böe fast stoppte.
Am frühen Nachmittag verzogen sich viele Wolken und die Sonne beschien die Landschaft plus Pedaleur der mit sich und seiner windigwidrigen Lage immer zufriedener wurde. Windigwiderig weil es zu der Felsküste hoch geht. Das Baltikum wäre flach wurde immer gesagt, flach heußt aber nicht eben. Und so durfte ich auf der ganzen Reise immer mal wieder kleine Hügel oder überwachsene Sanddünen erklimmen. Und dann noch ne Böe? Boah!
Zwischendurch gab es noch eine Überraschung, mein Verleger rief an, mein zweites Büchlein wäre aus der Druckerei geliefert worden und kann nun wie geplant am 27.07.2026 erscheinen. Juchuuu.
Besonders viel zu sehen gab es wenig, Kiefernwald, agrare Landschaften und Höfe deren Holzgebäude oft gedrungener aussahen als ich es bisher vom Festland kannte. Die Zeit macht ja auch Pause auf Muhu.
Pause! Vor dem Abzweig zur Üügü pank lag links noch eine Spezialität der Insel, MUHU-JÄÄTIS; die Eismanufaktur öffnete montags leider nur auf Anruf.
Also rechts ein wenig Schotter bis zum Aussichtspunkt und ein wenig über die Felsen krabbeln. Besonders hoch oder wahnsinnig spektakulär sind die Klippen nicht, für die Region und ihre geologische Geschichte aber bedeutend. Eine große Erklärtafel widmete sich ihr sogar auf Deutsch.
Die windige Angelegenheit setzte sich fort, diesmal wenigstens ein paar Kilometer zu meinen Gunsten. In Nõmmküla erreichte ich den nördlichsten Punkt der insel, damit der Route und fuhr quasi eine Wende, so dass mich erst einzelne Böen und bei weiter südlicherem Kurs auf der nun 149 mehr Rückenwind antrieben.
Kurz vor dem Ort Viira fiel mir ein Friedhof auf, der eine erstaunliche Länge aufwies. Es war der Muhu kalmistu ein zentraler Friedhof der Insel.
Viira erreichen bedeutete ebenfalls Hallo Nationalstraße 10. Der EuroVelo 10 zeigte die 10 als Route an was ich bei der Verkehsdichte als riskant ansah. Die Alternative: Ich bog zunächst für wenige hundert Meter rechts auf die 10 nach
Orissaare ab, um dann links auf den Ort Linnuse zuzusteuern. Das kleine süße Asphaltsträßchen schlängelte sich durch die Landschaft und kam erst kurz vor dem Damm auf die 10 zurück.
Und über den Damm nach Orisaare auf Saaremaa wollte ich eigentlich rüber.
Der Väinameri-Damm.
Die Wetterlage: unverändert heiter bis wolkig, Wind um die 20/25 km/h in Böen bis 40 km/h - auf den Damm bezogen meint dies von rechts querab.
Zunächst bot sich ein Radweg mit EuroVelo 10 gekennzeichnet an, doch das Vergnügen endete bereits nach einigen hundert Metern.
An der entgegenkommenden Fahrspur befand sich eine Art Standstreifen, auf dem kamen mir drei Radreisende entgegen. Die Option entfiel für mich. Ich wagte, die 10 zu nehmen, doch der Wind plus Abwind eines LKWs bliesen mich bald vom Rad.
Sehr unangenehm.
Neben der Autostraße öffnete sich nun eine Schotterpiste für Instandsetzungsarbeiten und mich.
Also Entwarnung, man kommt da auch ohne im Autoverkehr mitzuspielen über den Damm, wenn auch langsamer.
Könnte man auf der Fläche nicht einen durchgehenden sicheren Radweg für Menschen aus der Region und Radreisede anlegen?
Das war aber auch windig, Ich stieg zweimal ab, um mir
die heranrasenden Wellen anzusehen.
Dann hatte ich es nicht mehr weit, die Just Lodge vor Orissaare galt es zu erreichen. Beim Blick auf die Online-Karte sah ich, dass es dort auch eine Pizzeria gab, Küchenschluss um 17:00 Uhr. Es war 16:20 Uhr. Um 16:30 Uhr stand ich vor dem lustigen Gebäude. Nicht lustig kam der Spruch des Wirtes:
"Sold out!"
"What?"
"The last pizza is in the oven."
"You´ve no french fries, nothing?"
"Of course, I´ll give you the menu - Caroline!"
Caroline brachte die Karte.
Um 16:37 Uhr hatte ich ein Bier in der Hand.
Wirt Julian bot mir an, etwas zu zaubern, was ihm hervorragend gelang.
Nach nur wenigen weiteren Metern erreichte ich meine kleine sehr preiswerte Holzhütte. Plumps.
Eine Anmerkung muss ich aber noch machen, ja, meine kleine Holzhütte "Lodge T" war wirklich sehr preiswert, vielleicht deshalb, weil sie sich im gleichen Gebäude direkt neben der DU/WC für alle Gäste der Anlage befand. Es könnte für eine nervend sein, wenn gegen 23:00 Uhr ein Paar mit einer ca. 30minütigen Duschsession beginnt. Das ist hier jetzt kein Gemecker, sondern ein Hinweis. Fahrt zu
Julian Ulna Saara and Tiibu (JUST), die machen Spaß, nehmt euch aber vielleicht ne andere Bude.
06.07.2026 Kilometer Tag 42,04 km / Gesamt bis hier hin 931,92 km