Radreise Baltikum
04.07.2026 von Lindi nach Tammemäe Ait, Haapsi bei Varbla
Wetterprognose: echtes Schietwetter mit Wind 18km/h von vorne, mag ich nicht. Es sind in etwa 50 Kilometer, wenn ich über Liu am Südwestende der Bucht von Pärnu fahre - wovon ich einfach mal ausgehe- dann werden es 60 spannende Kilometer mit angeblich nur einer in etwa 4 km langen Schotterpiste.
Aber die letzte war doch auch bereits asphaltiert.
Wünscht mir bitte Glück.
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Habt ihr es vergessen? Also liebe Leute, dass war heute schon eine ganz shcöne Herausforderung. Dabei fing alles so schön und leicht an. Bis auf den Abschied vom Kapteni talu, von Haidi und Toomas natürlich.
Ich rollte noch etwas traurig bis nach Liu sadam, dem Hafen von Liu, der wohl einer Bootswerft gehört. Ich konnte also nicht ran, schade.
Gut, weiter nach Norden. Vorher noch ein Stück nach Westen bis Kavaru. Der im Bikeline beschrieben Haken nach Pootsie ist mittlerweile in Gänze asphaltiert.
Tipp: die 4 km von Pootsie zum Munalaiu-Hafen und dann auf die kleine Insel Kihnu übersetzen. Dies solle sichlohnen wurde mir gesagt,
Weiter ging es bei mir nach Tõstamaa, ein ehemaliger Gemeindesitz, heute aber immer noch das kleine Zentrum der Region ist.
Nahe der großen Kreuzungfindet man im Ort die Polizei, eine Tourisinfo, Bankautomat, Café, Kaffeeautomat und wichtig für Radreisende, den letzten Supermarkt vor Virtsu.
Man muss bis dorthin nicht um sein Leben bangen, es gab unterwegs wenige Cafés aber es gab sie, zumindest im Sommer 2026.
In Tõstamaa traf ich eine vierköpfige fröhliche Rentnergang aus Helsinki, alle mit E-Bikes unterwegs. Das waren die ersten Nicht-Analogen auf meiner Fahrt.
Weiter auf der 101 nach Norden. Es gibt nicht viel zu erzählen, es gibt mit wenigen Ausnahmen nämlich nix zu sehen. Außer dem Grünen Tunnel, wenn ich die Wälder links und rechts der Straße einmal salopp nennen darf. Ausnahmsweise.
Die 101 zeigte sich gut ausgebaut und angenehm weng befahren. Der Radreisende kam komod und flott voran, bis er sich selber hereinlegte. Nach Kastna links abbiegen machte der hier Schreibende nämlich eine zu früh. Das Ergebnis war eine schöne Rundfahrt auf Schotterpisten durch die Wälder von Kastna bis zur Küste und wieder zum Ausgangspunkt zurück. Unbedingt empfehlenswert!
Mitten in der "Kastna-Kurve" setzte das Schietwetter ein, aber so richtig! Dies trübte meine gute Stimmung nicht, der Regen setzte bald aua und ich konnte meinen Unterschlupf, ein großer Baum, verlassen. Das sollte sich alles ändern.
Ein zweiter Regenguss setzte ein, genau als ich Kulli erreichte. Ich trat käftig in die Pedalen und bremste scharf, Punktlandung unter einem A.Lecoq-Sonenschirm. Der Imbiss hatte geöffnet, ich sowieso Hunger. Sonnenschirme und Imbiss befanden sich an einem großen Gemeinschaftsplatz mit Spielgeräten für klein und Groß. Eines fiel mir besonders ins Auge, kein Wunder, stand da doch so ein Flugzeugrest.
"Den können wir noch fahren", sagte die Imbissfee auf Anfrage. Tatsächlich erblickte ich beim näheren Hinsehen vorne am Bugrad eine Deichsel mit der das ehemalige Fluggerät wohl bei Festen Anwendung findet.
Dann setzte das Drama ein. Kurz nachdem ich Kulli verließ gab es Starkregen. Meine angestrebte Unterkunft lag garnicht mehr so weit entfermnt. Wegen des Starkregens plus hinzukommenden Gewitters, strebte ich die Unterkunft auf kurzem Eege an. Falsch gemacht. Die erste Schotterpiste war noch ausgeschildert, danach freies Umherirren angesagt. Der Regen nahm noch weiter zu, das Gewitter näherte sich. Vor Gewittern habe ich Respekt wenn nicht sogar Angst. Das Wasser floss aus den Pfützen nicht mehr ab, die Felgen gerieten "unter Wasser". Ganz in meiner Nähe schlug ein Blitz ein. Das Zählen Einundzwanzig... konnte ich vergessen, ich kam nichtmal bis E.
Zurück zur 101. Ich rief die gebuchte Unterkunft an, zufälligerweise befand ich mich an der richtigen Stelle, von hier waren es nur noch 5 km bis nach Haapsi, so der Name des Ortes im tiefen Wald.
Jan, der Vermieter meines Blockhauses begrüßte mich herzlich und half mir bei verschiedenen Dingen, wie z B dem Trocknen diverser Texttilien. Die kamen nämlich in die Sauna.
Scherz.
Neben dem Blockhaus besteht eine überdachte Terrasse mit Küchenzeile, Grill davor und mehr.
Jan ließ sich noch etwas Besonderes einfallen:
"Meine Nachbarn sind einmal links zwei Kilometer, einmal rechts zwei Kilometer entfernt. Mich stört hier keiner, keiner stört mich." Und mit etwas verschmitztem Lächeln: "Auch keine Füchse und Wolfe."
Rätselfrage:
Wo saß ich da als ich die Steine fotografierte?
- In einer Gartenlaube?
- Auf dem WC der Anlage?
- Auf einem Barhocker mit Waldblick?
Die Sitzposition jetzt beim Schreiben ist etwas sehr unbequem, daher höre ich jetzt auf.
Tammemäe Ait
Tipp: Anfahrt am besten von der 101 in Varbla am Hinweisschild "VARBLA KONTOR 0,1" in die Asphaltstraße "RANNAKÜLA tee" einbiegen, dann 3,3 km folgen und dort links in die "HAASPI tee" Schotterpiste einbiegen. Nach 1,3 km liegt Tammemäe per Holzschild ausgewiesen rechts im Busch.
Gruß an Jan.
04.07.2026 Kilometer Tag 72,24 km / Gesamt bis hier hin 852,34 km