Radreise Baltikum
30.06.2026 von Saulkrasti nach Salacgrīva
Man war das ein Tag!
Der begann mit einem sehr leckeren Frühstück im Hotel Pie Maijas Saulkrasti und einer Führung durch den Garten mit Besichtigung von den zum Haus zugehörigen Bungalows. Manche verfügten sogar über Kamine, sehr fein das! Sehr gepflegt, sehr zu empfehlen.
Ab mitten in den Ort und zum zentral gelegenen Delikatessen-Veikals AUGU un DÄRZENI in der Ainazu iela 5, Saulkrasti, mich mit frischen Dingen einzudecken, mit Salzgurken aus dem Gurkenfass zum Beispiel.
Dann ging die Reise los und vor der hatte ich etwas Bammel. Zu Recht. Mangels einer hübschen Küstenstraße oder eines entsprechenden gepflegten Radwegs lief der EuroVelo 13 zum Teil über die A1 bzw. E67 Via Baltica, einer sehr stark befahrenen Verbindung nach von/nach Tallinn. Das ist Radfahrenden kaum zumutbar und im Prinzip echt gefährlich. Also verläuft der EV 13 die A1 ausweichend im ZickZack sehr oft über Schotterpisten.
Ja, da waren sie wieder und sie sollten heute sehr anstrengend werden.
Zunächst rollte ich auf gutem Asphalt aus Saulkrasti heraus bis Zvejniekciems und machte mich dort die Via Baltica dringend meidend auf den Weg in Landesinnere nach Skultes muiza. Etwas gewagt bog ich vorher nahe der Bushaltestelle Skola und einem 2km Schild links auf meine erste Schotterpiste des Tages ab, die mich durch wunderschöne agrare Landschaft und zu Störchen führte, die einem Bauern mit Heuwender quasi hinterher liefen und sich schnellen Schrittes über Beute hermachten. In Skultes muiza kam ich auch an, doch wo lang? Eine nette Frau von der PASTA, der lettischen Post brachte mich auf den richten Weg zur A1 nach Dunte.
Überraschung!
Ich möchte Sie nun gar nicht an der Nase herumführen, das Folgende ist nichts als die reine Wahrheit so wahr ich hier schreibe:
In Dunte lebte einst Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen weil er damals Jakobe von Dunten in Liesupe ehelichte und so Gutsherr wurde, siehe Beitrag von Alexander Welscher Dunte: Wo der „Lügenbaron“ die Liebe seines Lebens fand für das Goethe-Institut.
Heute ist das Gut ein sehenswertes Museum in einer wunderschönen mit Augenzwinkern und Humor gestalteten Anlage. Kinder haben einen tollen Spielplatz, sogar mit einem Dreimast-Schiff.
Der hier schreibende Pedaleur nutzte das gastronomische Angebot zum geplegten Speisen. Und Kaffee!
Die A1 war auf Grund eines Mehrzweckstreifens relativ gut zu befahren, das änderte sich aber später.
Die Abbiege nach Muskanli und Liepupe verpasste ich irgendwie, strampelte also kräftig weiter und bog dann links nach Tuja ab. Da hatte ich mir aber etwas angetan. Meine zweite Schotterpiste des Tages war eine reine Qual. Nach Tuja ging es ganz langsam boleromäßig los und endete auf der Geraden zurück zur A1 in einem Stakkato permanent hämmernder Bodenwellen die alles aber auch alles durchschüttelten.Herrje!
An der Einmündung zur A1 traf ich den ersten Radreisenden heute, nähere Vorstellung unten. Wir fuhren eine Strecke gemeinsam, wobei die A1 ihren Mehrzweckstreifen leider verlor und wir uns bei so manch einem forschen LKW duckten. Wir strebten verschiedene Ziele an, José zog es in den Wald, mich zu meinem gebuchten Dach über dem Kopf in Salacgrīva, welches sich als recht hübsch herausstellte, besonders für Seefahrer. Die Innendekoration des kleinen Holzhauses hätte auch aus Ostfriesland komen können, doch Anker, rettungsringe Möve mit Welcome und Meer kommt schon von hier. Morgen fahre ich nämlich durch Ainazi, bekannt für seine Marineschule und Leuchtturm. Ist nämlich Ostsee hier.
Kilometer Tag 76,29 km / Gesamt bis hier hin 659,25 km
José
So viele Radreisende sah ich bisher ja nun nicht auf dem EuroVelo 10/13 unterwegs. Mit Ausnahme von B. in ihren rosa Sportschuhen war José der erste mit dem ich mich länger unterhalten konnte.
Gestartet ist er in seiner Heimatstadt Santiago de Compostela. Er plante, die Ostsee gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden, dann über Tschechien und Griechenland, weiter Italien und Frankreich wieder nach Hause zu kommen. Ein Jahr wäre er unterwegs, meinte er. Auf seinem Rad hatte er alles dabei, immer 5 Liter Wasser, er campt am liebsten im Wald, bei starkem Regen suchte er Bushaltestellen auf. Das geht hier bei drei Bussen täglich gut..
Ein Jahr lang mit sich und seinem Fahrrad unterwegs, nur mit dem, was da drauf passt. Ich ziehe immer wieder innerlich den Hut vor ihm. Respekt!
José, de Santiago de Compostela, ciclista y viajero en bicicleta que ha recorrido Europa de norte a sur, ha dado la vuelta al mar Báltico, ha visitado la República Checa, Grecia e Italia, y ha regresado a casa en el plazo de un añ
Adiós José, hasta pronto en algún lugar de Europa.