Dietmar Wolf, der grüne Wolf für Düsseldorf

Radreise Baltikum

bikeline-radtourenbuch-eisener-vorhang-1-2

In Riga endete für mich das Bikeline-Radtourenbuch von Michael Cramer
"Europa-Radweg Eiserner Vorhang 2" von Riga nach Lübeck
bzw. er fängt da eigentlich an, denn er beschreibt die Radtour von Riga nach Lübeck westwärts. Ich bin in Gegenrichtung gefahren, das hatte den entschiedenen Nachteil, dass man eben nicht alles findet, da die Beschreibung eher für die Gegenrichtung gilt.
Der Vorteil lag bis heute im Wind. Der pustete für mich günstig.

Nun liegt der "Eiserne Vorhang 1", von Helsinki nach Riga parat, klar, den ich auch in Gegenrichtung plante zu radeln, wobei ich mir zwischendurch etwas kneifen wollte, dazu an gegebener Stelle mehr.

Zu den EuroVelo 10 und 13, so ganz fehlte mir der intellektuelle Zugang zur Beschilderung und Nummerierung in Lettland, zumeist ward der EV 13 ausgeschildert, doch leider recht rar. Aber ich komme noch dahinter.

Bis Helsinki sind es für mich jetzt noch grob kalkulierte 650 Kilometer, die ersten davon rollen wir heute:

29.06.2026 von Riga nach Saulkrasti

Sonnenaufgang in Riga Blick aus dem Hotelfenster des Viktoija

Guten Morgen. Blick aus dem Fenster des Hotel Viktorija auf die Dächer von Riga um 05:12 Uhr. Früher Vogel? Nix da, es wird sich noch einmal hingelegt!

Na das fing dann ja toll an heute morgen. Beim Verlassen meines Hotels stellte ich fest, dass die Bremse am Hinterrad defekt war. Nach etwas Gefluche und Gefriemel hatte ich die Züge wieder in Ordnung und machte mich auf den Weg, Riga zu verlassen. Das dauerte länger als ich dachte, Riga hat jede Menge Vororte...

Skulptur im Mezapark

Zunächst gab es eine ausgedehnte Frühstückspause am Eingang des Mezapark (Kaiserwald), denn dort gegenüber bot ein SPAR Bratwürstchen an.
Super.
Ein Gedicht.
Einfach herrlich.
Der Froschmann blieb ruhig.

Hafen Riga Schiff im Trockendock

Den Park durchquerte ich sanft rollend, bis hierhin waren alle Radwege so la la. Falls Sie dort wandern, bitte nicht vor dem Riesigen Eichhörnchen erschrecken! Die Sanierungsbaustelle der Großen Freilichtbühne im Mežaparks stellte sich als Herausforderung dar. Lediglich ein unausgeschildeter Trampelpfand führte um die riesige Open-Air- Bühne herum. Dann erreichte ich auch nach einmal Verfahren Rigas Stadtviertel Vecāķi. Immerhin kam ich über die Brücke und am Hafen plus Trockendock vorbei.

Nahe des Bahnhofs von Vecāķi erwischte es mich jedoch richtig. Wäre ich dem Bikeline hoch aufmerksam gefolgt, wäre ich immer geradeaus gefahren und bestimmt wäre ich westlich der Bahn auf einem recht neuen Radweg gelandet. Den sah ich später von fern. Ich vertraute jedoch Mr. Google. Der schickte mich dahinein wo ein Grüner Wolf hingehört, nämlich in den tiefen grünen Wald.

Radreise-Baltikum-mitten-im-Wald-von-Vecaki-bei-Riga-Lettland

Da waren sie wieder die Sandpisten, Wurzelwerk auf Waldwegen und herrliche Stille. Die tiefen Sandwege von Mr. Google entlang der Bahn zeigten sich mit Rad schlichtweg als unpassierbar, ich wählte alternativ eine Route quer durch den Wald und schwitzte sehr. Mein Fahrrad musste ich zum größten Teil schieben, egal, weil:
Alleine mitten in der Natur, außer einem Flugzeug und meinem Schnaufen gab es keine menschlichen Geräusche. Die Bäume standen weit auseinander und gewährten dadurch einen weiten Orientierung suchenden Blick. Das viele Grün auf dem Boden zog Vögel und Schmetterlinge an, meine geliebten Mücken blieben aus. Ich legte kurze Trinkpausen ein, auch um das stille Waldabenteuer zu genießen. Herr Amsel im Wald von Vecaki
Ich war scharf auf Elche. Denkste ich sah welche? Auch hier mitten in der Natur traf ich zwar auf kolossale Hinterlassenschaften, sah aber keines der imposanten Tiere. Wenn ich in meiner geliebten Eifel unterwegs bin, habe ich des öfteren Glück und sehe wenn/dann zumeist Rehe, selten Hirsche.
Heute freute ich mich über einen sehr kritisch schauenden Herrn Amsel.


Der riesige Kontrast zur lärmenden Großstadt nebst Hauptstraßen freute ungemein. Doch man will ja auch weiter.

Fußgänger- und Radfahrbrücke bei Carnikava Carnikava

Über die schrecklich gefährliche P1 erreichte ich den Vorort Kalngale und wieder den EuroVelo. Hoppla! Ab Kalngale begrüßte mich ein neu ausgebauter Radweg entlang der Autorennbahn, zum Teil wurde noch dran gebaut. Trotz des kräfteraubenden Waldabenteuers erreichte ich die neue 220 Meter lange und 4 Meter breite Fußgänger- und Radfahrbrücke bei Carnikava und rollte bis nach Gauja durch. Einen Kaffee hätte ich wohl besser an der Promenade von Carnikava gesucht, dafür landete ich am Bahnhof von Gauja und nahm die letzten 18 Kilometer den Bahnfahrspaß (Strecke Riga - Zemitāni - Skulte) nach Saulkrasti.

Salzgurken aus dem Delikatessen-Veikals AUGU un DÄRZENI Saulkrasti

Es gab einen Einkauf in einem formidablen Delikatessen-Veikals, übrigens auch mit absolut wohlschmeckenden Salzgurken aus dem Fass.

Eine wirklich schöne Überraschung war mein sehr kleines aber sehr feines nach Riga ruhiges Hotel Pie Maijas Saulkrasti mit hübschem kleinen Zimmer und ebenso kleiner Sitzgelegenheit. Doch leider kann ich hier jetzt nicht mehr sitzen und schreiben. Ab ins Bett.
Thema Hören, es ist im Gegensatz zur Hauptstadt Riga wunderbar leise hier. Ich hörte zwar die Straße mit Motorrädern und in Saulkrasti anscheinend wohl sehr beliebten Zwei-Takt-Räppelchen für engagierte Neulinge, ja, auch die Bahn hörte ich und das ist nun wieder ganz subjetiv schööön.
Gute Nacht.



29.06.2026 Kilometer 52,55 km Tag / Gesamt bis hier hin 582,95 km




und hier geht es zum nächsten Abschnitt am 30.06.2026 nach Salacgrīva, José und der letzten Übernachtung in Lettland.



Foto: Im Wald von Vecāķi

Radreise Baltikum im Wald von Vecaki bei Riga