Dietmar Wolf, der grüne Wolf für Düsseldorf

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26.07. Weil am Rhein - Mulhouse

dreilaenderbruecke-weil-am-rhein-nach-frankreich

Guten Morgen Radurlaub!

Guten Morgen Dietmar!

Also los. Das Hotel Viktoria lag für mich recht verkehrsgünstig. Denn kaum zwei Mal abgebogen und auf der Hauptstraße ging es ganz direkt auf die Dreiländerbrücke, der längsten Fußgänger- und Radfahrbrücke Europas auf dessen anderer Rheinseite ohne Zoll- und Passkontrollen Frankreich lag.
Vive l´ Europe, es lebe Europa!

Frankreich begrüßte mich bereits auf der Brückenmitte mit einem kühlenden Sprühregen. Tat gut, es war schon gut warm, die Temperaturen sollten heute sogar noch auf 38 Grad steigen.
Runter von der Brücke und Stopp! Keine Ausschilderung. Ich versuchte es erst einmal geradeaus und dann rechts ab nach Norden. Immer noch nix. Verdammt. Gefühlt bin ich weit genug nach Norden gekommen, um ein Wagnis zu wagen, ab nach links (Westen), irgendwo muss der Kanal ja sein. Und siehe da, eine lange Baumreihe kündigte den Erhofften an. Den EuroVelo 6 am Canal-Rhone-au-Rhin. Über die Kanalbrücke rüber und rechts ab an den Kanal und auf den Weg, den ich jetzt so ca. 500km entlangreisen beabsichtigte.

EuroVelo-6-nahe-Basel

Da war es wieder das so schöne Gefühl, am Wasser entlang zu radeln. Nach wenigen Metern kam mir ein älterer Franzose mit Strohhut auf dem Kopf und Hund an der Leine entgegen.

„Bonjour!“

„Bonjour!“

Willkommen in Frankreich. Hier wird sich gegrüßt. Dazu #Flussradeln #Kanalradeln, was habe ich das alles vermisst!

Bis Kembs gab es 10 KM feinkörnige feste Schotterpiste direkt am Wasser entlang, herrlich. Sie ließ sich richtig fahren. Die Ruhe wurde nur manchmal von auf dem nahen Flughafen Basel-Mulhouse startenden Jets unterbrochen. Höhepunkt war die „Kleine Elsässische Camargue“, ein Naturschutzgebiet mit einer hohen Anzahl seltener Arten. Mit großformatigen Plakaten und einmaligen Fotografien macht man dort auf die schützenswerte Natur der Region aufmerksam.

Der EuroVelo 6 läuft hier noch mit seinem Bruder EuroVelo No. 15, dem Rhein-Radweg (linksrheinische Variante) zusammen. Und bis hier hin herrschte ganz schön Betrieb an Radreisenden, der nur manchmal von verkniffen dreinschauenden Mountainbikern erweitert wurde.
Hinter Kembs befindet sich die historische Schleuse Le Corbusier, mit direktem Zugang vom Canal du Alsace in den Canal du Rhone au Rhin und stellt damit für die Bootsfahrenden Richtung Mittelmeer die erste der weit über 300 Schleusen auf ihrem Weg dar.

PSA Mulhouse mit Wasserturm im Hintergrund

Nahe der Schleuse von Niffer trennen sich die Wege vom SV 6&15, links über die Brücke geht es für mich nach Decize, rechts zum Rhein abwärts Richtung Düsseldorf.
Nö. Noch nicht.

Und nun geht es auch auf Asphalt weiter und ohne Flugzeuge. Der Radelbetrieb änderte sich, wenige Radreisende, dafür mehr Rennräder, ich vermute Mal aus dem nahen Mülhausen. Wieso gucken die nicht so verkniffen?

Vielleicht weil’s es so warm war, eher heiß. Ganz heiß. Bis an 40 Grad dann, hieß es.
Ich trollte mich weiter bis knapp nach Mulhouse hinein, denn dort lag bereits mein erstes Etappenziel. Eigentlich war ja Zürich-Basel per Bahn und dann weiter per Rad geplant...

Kurz vor Mulhouse lag rechter Hand die große Produktionsstätte des PSA-Konzerns, die Bahnen drumherum waren gut ausgelastet mit Autotransportern voll von diversen PEUGEOT UND CITROEN, als Fan letzterer Marke ein schöner Anblick, noch schöner wäre der Anblick von e-Autos oder gar Fahrzeugen mit Brennstoffzellen. Dabei hat Citroen genug Erfahrung; bereits in den Vierzigern produzierte man 100 E-Transporter (den TUB, Vorläufer der H/HY) zur Nutzung in Paris.

Mulhouse-am-Canal-Rhone-au-Rhin

Danach ging es nach Mühlhausen rein, das erste Stückchen auf Straße. Alsbald rollte ich wieder auf einem eigenen Radweg immer geradeaus direkt am Kanal entlang, wunderschön.
Ich genoss den Blick auf viele schöne Häuser auf der anderen Seite des Rhein-Rhone-Kanals. Die Stadt selber interessierte mich nicht so. Ich erinnerte mich schmunzelnd, vor zwei Jahren bin ich hier in Mülhausen umgestiegen und suchte verzweifelt meinen Zug, der sich als Überlandbahn herausstellte und auf dem Bahnhofvorplatz abfuhr.
Mich zog es zum Campingplatz, der angenehmerweise nahezu direkt am EuroVelo 6 schon fast stadtauswärts liegt.

Campingplatz Mülhausen am Ill - mein Pod

Auf dem nach dem Fluss Ill benannten Platz Camping d´Ill buchte ich vorab wegen regenschauerlicher Geschichten in der Wettervorhersage eine kleine feine und gemütliche Holzhütte namens POD. So ein POD ist eine schöne Alternative zu teureren Hotelzimmern. Die (neue!) Hütte verfügte über zwei Räume, einen für Gepäck und zum Aufenthalt mit Tisch und Hocker ausgestattet sowie ein Schlafzimmerchen mit einer problembehafteten Gran Lit. Die war nämlich nicht seitlich gesichert sondern hatte lediglich in der Bettmitte einen größeren Holzkasten. Das war für mein Gewicht nicht ausreichend, ich kippe zweimal aus dem Bett fallend um.
Schreck!

Mein Abendessen bestand aus dicken Sauerländer und Gouda, absolut delikat!

In der Nacht kam dann der angekündigte Regen, welche herrliche willkommene Abkühlung. Spärlich bekleidet sprang ich ins Freie, Herrje, war das kalt.

L´Ill merke ich mir für das nächste Stadt-Land-Fluss, Fluss mit i.


40 km als Auftakt. Gar nicht übel.

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