Radreise Baltikum 2026
17.06.2026 Aufwärmrunde Klaipėda mit Ausflug Kurische Nehrung
Klaipėda (170.000 Einwohner:innen), einzige Hafenstadt in Litauen (2,9 Mill Einwohner:innen) ist die drittgrößte Stadt des Landes und unbedingt mit dem tollen Wort aufstrebend zu bezeichnen.
Überall wird gebaut. Glücklicherweise vergisst man nicht wie anderswo, bei neuen Straßen auch entsprechende Radwege mitzuplanen und mitzubauen. An guten Radwegen herrscht hier bittere Not, auch die Straßen...
ABER: Das wird, man spürt es an vielen Ecken, dass sich hier in Klaipėda eine Menge tut. Eigentlich müsste ich in fünf Jahren noch einmal wiederkommen.
Auch aus einem zweiten Grund.
Aufwärmrunde
Die gestrige Fahrt vom Hafen zum Apartment kann man nicht wirklich aufwärmend nennen.
Für den heutigen ersten Radtag in Litauen plante ich, die Kurische Nehrung wenigstens ein bisschen zu befahren. Von der habe ich als Elfjähriger in der Schule schon gehört. Und vom Bernstein natürlich. Mein Freund Willy besuchte Litauen bereits per Rad und bestärkte mich mit der Tour über die Nehrung als seinen ersten Tipp.
Von Klaipėda würde man etwas mehr als 50 Kilometer bis zur russischen Landesgrenze radeln. Ich nahm mir nur einen kleinen Teil davon vor und kann direkt sagen:
Das lohnt! Wer nach Klaipėda kommt und Zeit hat, sollte mindestens einen schönen Tagesausflug per Rad unternehmen, E-Bikes gibt es zu leihen.
Die Kurische Nehrung hat eine sehr wechselvolle Geschichte. Geprägt wird sie von wunderschönen Wäldern und Dünen, die sie in Bewegung halten.
Und das gilt es nun zu entdecken.
Vorher ging es in einen RIMI-Supermarkt einkaufen. Den fand ich mitten in einer Baustelle, das kenne ich von zu Hause von der Friedrichstraße,
so etwas verbindet.
Am Nordufer der Mündung des Flusses Danė in das Kurische Haff sprich Hafen von Klaipėda stand meine nächste Fährüberfahrt an. Sie sollte lediglich ein paar Minuten dauern und nur 0,85€ hin und zurück zum Seniorentarif inkl. Fahrrad kosten.
Vom gegenüberliegenden Anleger machte ich mich zuerst mit Hafenblick entlang des Kurischen Haffs auf den Weg. Der bog bald rechts ins Innere der Nehrung ab und wurde zu einem bestens ausgebauten Radweg.
Das Wetter spielte mit, es war 17 Grad warm, die Sonne brach durch die Wolken,
die prognostizierten 18km/h Wind aus W fühlten sich als unterschätzt an.
Der feine Radweg führte mich durch die leicht hügelige von Sanddünen herrührende Landschaft mit zumeist Kiefernwäldern. In regelmäßigen Abständen luden Sitzbänke mit Fahrradständern und Mülleimern zum Verweilen ein. Der Müll wird hier im Nationalpark(!) entsorgt.
Endlich erreichte ich die Ostseeküste, dachte ich. Mensch, sind die Sanddünen hier hoch. Kein Meer zu sehen. Dafür hielten sie den Mist Wind ab. Also weiter. Aaaah, da gab es einen erlaubten Zugang per Holztreppen über die Düne zum Strand. Himmel was das ein schöner Anblick.
Weiter ging es mit der Aufwärmrunde. Nach in etwas 15km drehte ich und pausierte an einer Radparkplatz fein mit meinem Rücken in der Sonne. Herrlich. Meine Radreise hatte begonnen.
Auf dem Rückweg stoppte ich noch einmal an so einem Fahrradparkplatz und erklomm noch einmal eine Düne, ich hoffe, dass der sandige Weg dort erlaubt war. Wieder gab es blaues Meer mit weißen Schaumkronen, Muscheln und - ja was sage ich denn nun dazu? - natürliche Windsandkunst.
Ich kam zur guten Zeit wieder an der Fähre an und startete zum zweiten Tipp von Willy, dem Simon-Dach-Brunnen mit dem Ännchen von Tharau, der ein Liebeslied zu Grunde liegt.
Das Wahrzeichen Klaipėdas steht für die wechselvolle jüngere Geschichte der Stadt. Im Jahr 1912 aufgestellt wird es zwischen 1939 und 1949 durch eine Hitlerbüste ersetzt, danach in sowjetischer Zeit wiederum durch ein
Panzerdenkemal mit Stalinbüste (wenn ich die Quellen richtig las) ersetzt, um dann 1989 auf Initiative eines ehemaligen Bewohners des damaligen Memelgebiets durch eine Nachbildung der ursprünglichen und verloren gegangenen Figur ersetzt zu werden. Der Brunnen mit Ännchen auf dem Theaterplatz gehört zu den am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Daher gibt es dort auch mehrere Bernstein-Verkaufsstände und ja meine Liebe, richtig, die Kurischen Nehrung besuchen und ohne Bernstein nach Hause kommen? Nein, das geht nicht.
Es zog und es zog mich nach Hause. Doch vorher rollte ich am Fluss Danė entlang, denn hier ist die Promenade Danė-Park mit dem Segelschiff "Medridianes" entstanden. Der zentraler Punkt des Parks ist Die Arka genannte 150 Tonnen schwere und 8,50 Meter hohe Skulptur die einen Bogen für das geeinte Litauen darstellt.
Stadtweit nicht zu übersehen sind Die beiden Gebäude in Form der Buchstaben „K“ und „D“ der Architekten Arches aus Vilnius, Zitat:
"...symbolisieren den Neuanfang und die Öffnung der Stadt zum Ostseeraum: Das „K“ steht für „Klaipeda“, das „D“ für den mitten durch die Stadt fließenden Fluss „Dana“.
Einst stellte der Fluss eine natürliche Grenze zwischen der Stadt und dem militärisch-industriellen Hafensperrgebiet dar. Die Unabhängigkeit Litauens im Jahre 1990 löste auch die Öffnung der Sperrzonen aus. Dem folgt das architektonische Konzept der Gebäude, die sich wie zwei Teile eines Puzzles öffnen. Das „K“ und das „D“ überragen die Silhouette der Stadt wie zwei geöffnete Torflügel, die den Weg zwischen der Stadt und der Ostsee wieder freigeben." Die Quellenangabe zum Zitat
Ein schöner erster Radtag auf der Radreise Baltkum, der Pedaleur stürzte sich alsbald voller Hunger auf die Einkäufe. Morgen geht es weiter
17.06.2026 Kilometer 32,20 km / Gesamt bis hier hin 54,53 km