Dietmar Wolf, der grüne Wolf für Düsseldorf

2/2019 redaktionell überarbeitet. by xxandorrxx

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Endlich Urlaub!

Radreise von Düsseldorf den Erft-Radweg bis zur Erftquelle, dann weiter über die Wasserscheide nach Nettersheim, Schmidtheim, Dahlem und entlang des Kyllradwegs bis Kyllburg bei Bitburg

Um für den Wahlkampf reichlich Energie zu tanken nahm ich mir im Juli 2009 eine Woche Urlaub. Doch was tun in der Woche? Eine alte Idee nahm Formen an und wurde umgesetzt:
Mit dem Fahrrad von Düsseldorf zu meinen Freunden nach Kyllburg, die Erft rauf, rüber über die Wasserscheide und die Kyll wieder runter; dort Wandern, Radfahren und auf dem Balkon erholen.

Da ich kein besonders trainierter Tourenfahrer bin, auf Deutsch, das war meine erste Radtour mit Übernachtung, plante ich sorgfältig. Ich kaufte mir die Beschreibung des Erft-Radweges, ein Anschaffung die sich lohnte. Lesenswert ist auch die Seite erftweg.de, sie bietet einen guten Überblick. Eifelkarten von Kyll, Kyllburg und Umgebung hatte ich als eingetragener Eifelfan genug.

Das Fahrrad war gepackt, genügend zu trinken an Bord, regensichere Kleidung dabei, alles ok. Also rauf auf das Fahrrad. Nicht zum Flughafen oder Bahnhof, ich war bereits richtig unterwegs. Was für ein Gefühl! Nur wenige Meter die Kirchfeld-, und dann Düsselstraße und man war im Urlaub.
Fantastisch!

Los ging es am Sonntagmittag Richtung Hafen, dort wurde meine liebe Freundin und ADFC-Aktivistin Anja eingesammelt. Dann rollten wir flott über die Südbrücke und ab zur Erftmündung, dem Startpunkt des Erftradweges.

Da war ganz schön was los auf der Strecke! An diesem wunderbar sonnigen Sonntag rollte wohl halb Neuss über den Radweg.
Die Route führte uns an Neuss-Holzheim und der Museumsinsel Hombroich vor bei nach Grevenbroich. Glückwunsch an die Grevenbroicher, die Erft hat man wunderbar ins Stadtbild integriert; es war ein hohes Vergnügen, durch eine schöne Grünzone mitten durch die Stadt zu radeln.
Etwas betrübter waren wir dann angesichts der Grobstaub, Feinstaub und CO² schleudernden Wolkenmaschinen nahe des Braunkohlereviers in Frimmersdorf.

Bergheim überraschte mit einem Stadttor am Wegesrand. Wir blickten einmal hindurch und fanden eine kleine nette Fußgängerzone mit Cafés und Restaurants vor. Zum Abschied labten wir uns an einem kolossalen Eis; Anja kehrte wieder nach Düsseldorf zurück, mein Ziel hieß Weilerswist. Bis dahin waren es von Düsseldorf aus ca. 70 Kilometer. Der Erftweg führte weiterhin gut ausgeschildert entlang des Flusses. Rundherum war alles agrar, gute Luft, prima!

In der Erftgemeinde Weilerswist mit ihren drei Burgen übernachtete ich in dem kleinen hübschen Hotel Zum Schwan, welches seine angeschlossene historischen Weinstube anpries. Das Versprechen wurde gehalten. Ich preise jetzt mit an!
In der vorzüglichen Weinstube genoss ich diverse Käsegerichte und einen halbtrockenen Kerner. Ich liebe es fruchtig. Mein erstes Glas hob ich auf "Muffus", den verstorbenen Vater meines besten Freundes. Muffus brachte mir das Weintrinken bei.
Das Restaurant schloss pünktlich, doch als Hotelgast durfte ich noch eine Karaffe Kerner und ein Mineralwasser mit auf die Terrasse nehmen, auf der ich den ersten Tag meiner Radreise bei einem wunderschönen gelbroten Sonnenuntergang ausklingen ließ.

Die Erft suedlich von Weilerswist

Am Montag ging es bei bestem Sonnenschein wieder los, jedoch erwischte mich ein guter Wind direkt vierkant von vorn. Puuh, anstrengend! Egal, rein in die Pedale.
Weiter ging es der Erft entlang, die gesäumt von Wiesen und Äckern kanalisiert ihre Bahn zog. Die Strecke selbst wurde von Bäumen, wie Birken und Kirschen gesäumt. Letztere hatten ihre Früchte abgeworfen, deren Kerne nun auf dem Fahrweg lagen. Es gab immer wieder ein lautes Geknacke, wenn man durch so ein Kirschkernfeld fuhr.

Vor mir lag nun bald Euskirchen. Durch die Stadt hatte ich keine Lust, wollte sie eher umfahren. Das tat ich dann gründlich, irgendwie bin ich nämlich von der im Handbuch beschriebenen Route abgekommen und musste mich erst einmal orientieren. So lernt man mehr kennen von der Welt. Reisen bildet. Das nächste Mal geht es aber der Erft entlang durch Euskirchen durch.
Basta!

In Bad Münstereifel legte ich eine Pause bei einem Italiener ein, Radfahrer sollten ja immer viel Nudeln essen.

Ich hielt mich auch nicht länger dort auf, Bad Münstereifel besuchte ich bereits mehrfach. Wer es noch nicht kennt, sollte echt Zeit einplanen. Es lohnt sich, dort ein paar Stunden zu verbringen. Der historische Kern mit Gebäuden aus dem 17. und 18 Jahrhundert beiderseits der Erft sowie Stadtmauer, Tore, ehrwürdigem Gymnasium und Burg ziehen besonders an Wochenende viele begeisterte Besucher an.
Auf Deutsch: in der Wochenmitte ist es beschaulicher und trotzdem schön in Bad Münstereifel, dessen Stadtvmütter und -Väter man auch beglückwünschen kann. Denn die bekämpften den um sich greifen Leerstand von Ladenlokalen erfolgreich mit dem City Outlet Bad Münstereifel.

Südlich von Bad Münstereifel ging es erst unerquicklich die B51 bis Schönau entlang, dann gab es wieder kleinere Straßen. Die Erft wurde nun schmaler, bis zu Quelle war es nicht mehr weit. Ohne große Steigungen, Quellen liegen oft bedauerlicherweise gerne ganz oben, erreichte ich im Örtchen Holzmülheim die Erftquelle. Die liegt in einem für Besuchende nett hergerichtetes Areal (mit Grillhütte). 110 km Strecke waren geschafft, zur Erholung legte ich mich eine Stunde auf eine Bank und genoss das Plätschern des Wassers.

Ein Anruf im angedachten Hotel in Schmidtheim brachte Klarheit, es war ausgebucht. Die Alternative war Nettersheim. Zum Glück.
Ich legte mir nach der Karte eine Route zurecht und staunte nicht schlecht. Die von mit befürchteten Steigungen waren da, zum Teil mit 12%! Da war zum Teil Fahrradschieben angesagt. Puuuh! Eine ausgeschilderte Radroute führte erst Richtung Frohngau hoch, oben dann rechts ab über die stark befahrene Bundesstraße B477 nach Nettersheim.
Nix da Autos, ich will Natur!

Er kann Karten lesen und fand eine Alternative. Die Alternative war super. Es ging sofort quer über die B477 und erst einen Kilometer weiter geradeaus munter in den Wald, dann unausgeschildert und richtig vermutet vor(!) einer kleinen Brücke rechts ab.
Ich erreichte das Genfbachtal und rollte es alsbald sanft auf wohlgefälliger Asphaltroute entlang schöner Wiesen und Wälder bis nach Nettersheim hinab. Kein Auto, kein Laut, nur die Fahrradreifen waren zu hören, keine Landstraße, kein Lärm. Ab und zu hielt ich an um die Landschaft zu genießen, ich wollte ja erleben und nicht rasen.
Doch dann musste ich doch was auf`s Tempo drücken, Grund waren aus Westen aufziehende finsterste Wolken.

In Nettersheim stoppte ich neben dem Bahnhof an einem Hotel mit italienischem Restaurant. Wieder Nudeln?
Ja bitte!
Vor dem (damaligen, gibt es so leider nicht mehr) Hotel Ristaurante Portofino zu Nettersheim an der Urft stand eine Gruppe radelnder Holländer, die nach Zimmern suchten. Das Hotel war aber geschlossen.
Ein schneller Anruf klärte alles auf: "Ich sehe Sie, warten Sie, ich öffne!"
Gesagt, getan. Wir wurden mit unseren Rädern in den Innenhof geleitet und standen unter großen Bitburger-Schirmen. Das war auch sehr gut so, denn in diesem Augenblick setzte der befürchtete heftige Regenguss ein.
Und die Fischsuppe später, danach die Nudeln mit Rindersteak waren super.

Nettersheim lohnt! Es ist über Eifelstrecke gut von Köln aus zu erreichen. Die rührige Eifelgemeinde bietet das Naturzentrum Eifel, einen archäologischen Landschaftspark, das Literaturhaus, den Fossilienacker und mehr, hier balle Infos.

Meine neuen holländischen Freunde fuhren die gleiche Richtung, wir verabredeten uns im Hotel Müller Kyllburg, danach ging es für sie weiter nach Frankreich, nach Marseille. Oh, welch blasser Neid! Diese Begegnung fixte mich an, einmal mit dem Rad nach Frankreich zu fahren.

Der nun folgende Dienstag sollte der Höhepunkt der Radtour werden. Von der Eifelbahn aus habe ich immer wieder interessante Wege gesehen, die mich reitzten.
Entgegen(!) der Radwegausschilderung trollte ich mich auf die andere Seite des Bahnhofs (Fahrtrichtung Köln) und rollte über den Parkplatz (quasi Richtung Trier) bis auf eine kleine Straße mit dem hübschen Namen "Kaninhecke", welche mich dann durch Teile des Archäologischen Landschaftsparks führte.

Parallel zur Urft ging es via Kaninhecke an verschiedenen mittelalterlichen Wirtschftsgebäuden vorbei bis zum römischen "Steinrutsch". Alsdann hieß es über die Bahn zu wechseln und erst einmal an der Görresburg, einem noch in Betrieb befindlichen Römischen Tempel(!), vorbei in Richtung Blankenheim (Wald). Eine wundervolle Radroute entlang des Flusses Urft.

Sollten Sie, meine Damen und Herren, je eine Eifelradtour oder ein Fahrt entlang des Kylltales planen, starten Sie in Nettersheim, es lohnt sich!
Stellen Sie sich bitte ein weites Bachtal ohne Autostraße vor. Auf ca. fünf Kilometern links und rechts Wiesen, kleine Wäldchen und in der Mitte die Eifelbahn, die nicht so häufig fährt. Dazu blauen Himmel, kreisende Raubvögel (Bussarde, Roter Milan) und Stille. Sowas von Stille. Hinsetzen und genießen.

Blankenheim (Wald) ist eine Bahnstation mit ein paar Häusern drumherum und einem Rätsel das gelöst werden wollte.
Wie komme ich von hier ohne die B51 zu benutzen in Richtung Schmidtheim? Ich will keinen Autolärm. Meine Karte verriet einen Feldweg, doch wo war der?
Ein netter Radfahrkollege aus der Eifel konnte helfen. Vor Jahren war er mal zu Fuß da lang wo ich lang wollte und siehe da, hinter einer kleinen privaten Schranke gab es einen vom Eifelverein gekennzeichneten Fußweg, der sich alsbald in einen gut zu befahrenen Schotterweg mauserte (Heute ist der Weg von privater Hand ausgeschildert).
Ich erreichte eine ehemalige Eisenbahnbrücke über die Eifelbahn, das waren Reste der Bahn von Blankenheim nach Ahrdorf ins Ahrtal. Nun ging es den Eifeler Quellenpfad entlang der Urft in Richtung Schmidtheim.
Wieder traumhaft schön.
Es wiederholten sich Bachtal, Wiesen, Wälder, Milane, Stille und genießen.
Das Bachtal musste verlassen werden, es ging fahrbar bergauf und dann durch ein paar Bauerndörfer auf Schmidtheim zu.

Schmidtheim hat tatsächlich nur ein Hotel, es gab nicht viel zu sehen, mich zog es weiter in Richtung Dahlem. Dorthin gelingt man fast am Flughafen Dahlemer Binz vorbei wo vier Helicopter (Bundespolizei?) Starten und Landen übten oder Fangen spielten. Das nervte. Und es ging bergauf. Das nervte auch.

Doch die Entspannung nahte, der eben erklommene Hügel führte runter zur Stadt, die lästigen Brummer hatten sich verflüchtigt. Durch Dahlem hindurch ging es wie der Sausewind, Jünkerath entgegen.
Endlich!
Hier ist nun Kylltal und alles flach.
Von wegen!

Die Radwegplaner haben sich etwas Besonders einfallen lassen, einen kleinen Höhenweg rechts der Kyll, der dann aber an kleinen Steinformationen vorbeiführte, was sich nun wieder lohnte.
Jünkerath beeindruckte mit seinem Eisenmuseum, welches ich bestimmt einmal besuchen werde. Ich wollte aber weiter nach Gerolstein und dann nach Kyllburg, wo ich mein kalt geliebtes Eifeler Landbier wähnte.

Die Radtourwegeplaner empfehlen nicht die direkte Route die Straße entlang (für Schnelle, nehmt die!) sondern führt über die Dörfer knapp an Hillesheim vorbei. Quietschsaubere heimelige Dörfer mit kleinen Dorfkirchlein. Unbedingt lohneswert.

Die Kyll entlang nach Gerolstein vorbei an Pelm. Vor Pelm liegt ein umgebautes Bahnwärterhäuschen, mit Solardach, hübschem Garten, kleinem Steinhügel davor, super!
In Pelm machte ich den Hals lang, denn als alter Eisenbahnfreund interessiert mich alles was da im ehemaligen Bahnbetriebswerk steht, welches jetzt vom Eifelbahn-Verein genutzt wird, der auch eine Lok und Dampf hält, die Baureihe 52 6106.
Und Dampflokparfum zu schnuppern wäre toll gewesen. Doch keine Dampflok war zu sehen, dafür die schönen alten Schienenbusse, mit denen der Verein und seine Gesellschaften die Eifelquerbahn nach Daun befährt.

Pause in Gerolstein.
Die sich nicht lohnte, denn die schnelle Wurst war nix. Also wieder rauf aufs Rad und die letzten 26km entlang der Kyll nach Kyllburg, die ich in 1,5 Stunden runterspulte. Die Strecke kenne ich, daher schaute ich nicht auf Burg Lissingen, die KöV und Lindenquelle in Birresborn, Bertradaburg in Mürlenbach, Wasserburg in Densborn, Kloster in St. Thomas und nahm auch nicht den landschaftlich wunderschönen Umweg über St. Johann, nein, es zog mich zum Eifeler Landbier.

Ich kam genau zum richtigen Zeitpunkt an, Ulli öffnete gerade seine Bar, ich half ihm schnell die Kyllterrasse aufbauen und genoss 210 km herrliche Radtour, den Blick auf die Fische in der Kyll und ein Mineralwasser. Das Bier kam später.

Dietmar Wolf